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Sprachen lernen.

Hinweis
Unser Haus ist montags – donnerstags von 08:00 – 16:30 und freitags von 08:00 bis 16:00 Uhr nach Terminvereinbarung für Sie geöffnet! Bitte vereinbaren Sie vorher einen Termin:
Tel. 0231/838000 oder schreiben Sie uns eine E-Mail unter info@auslandsgesellschaft.de. Bleiben Sie gesund!

Es gibt noch freie Plätze in den Sprachkursen für Schülerinnen und Schüler! Sie finden die Kurse in unserem Kursfinder weiter unten auf der Webseite. Auch für das English-Camp sind noch Anmeldungen möglich! (09.08 – 14.08.2021, 445,00 € / 390,00 € für die ersten fünf Anmeldungen)
Info & Anmeldung: Nina Macioch, fon: 0231 . 838 00 52, mail: macioch@auslandsgesellschaft.de / Dominic Melang, fon: 0231 . 838 00 38, mail: melang@auslandsgesellschaft.de

Jetzt erhältlich: Das neue Sprachenprogramm für das zweite Halbjahr!

Neu: Deutsch-Intensivkurse online bei der Auslandsgesellschaft
Trotz Corona: Weiterkommen im Studium und Beruf
Während der nächste Lockdown vor der Tür steht, die Ausgangssperre beschlossen und das Tragen der FFP-2 Masken zur Pflicht wird, beginnt bei der Auslandsgesellschaft in dieser Woche das neue Semester. Diesmal allerdings finden die Sprachkurse digital statt. Vorreiter sind die Deutsch-Intensivkurse, die den Teilnehmern das gleiche Zeugnis bescheinigen, wie die Kurse in Anwesenheit. Das heißt: Die Dozenten sitzen an ihren Schreibtischen und die Studenten haben die Chance, von zuhause aus Deutsch intensiv zu lernen. Inhaltlich unterscheiden sich die Online-Kurse nicht. Die Lehrwerke sind auf der Lernplattform integriert. Audio, Video, Chat, Übungen, Tests, Gespräche und natürlich Hausaufgaben – eigentlich alles wie immer, nur eben von zu Hause aus. Wer diese Zeit der Corona-bedingten Einschränkungen für seinen Beruf oder Studium nutzen will, der kann dies ab sofort tun. Auch in die bereits angelaufenen Kurse kann man noch einsteigen. Bei Bedarf werden zusätzliche Kurse eingerichtet.
Info & Anmeldung: Christanna Charmpa, fon: 0231 . 838 00 93, mail: charmpa@auslandsgesellschaft.de

Kursfinder

Über dieses Modul können Sie die Kurse anhand der vorausgewählten Sprache finden.

Российско-Германская Конференция городов-побратимов, которая прошла в Краснодаре с 26-го по 30-е июня, стала уже 14-ой по счету. Но молодежный форум в рамках этой конференции был организован впервые. Я думаю, что таким образом организаторы отреагировали на «старение» движения городов-побратимов. Большинство соглашений между Германией и тогда еще городами Советского Союза были заключены в 70-х годах. Вторая волна была сразу после падения железного занавеса. Те люди, которые стояли у истоков партнерских связей городов России и Германии, зачастую находятся уже в преклонном возрасте и не всегда могут поддерживать активные связи. Мы, молодые участники, конференции за эти четыре дня привнесли множество новых идей в области спорта, музыки, экологии, молодежного обмена. На молодежном форуме были представлены 14 пар городов. Меня удивило и порадовало то, что даже совсем маленькие города или общины имеют международные связи и активно их развивают (например, Gemeinde Zarrentin и поселок Мурино под Санкт-Петербургом). Я представляла Дортмунд. Наш город-побратим – это Ростов-на-Дону, оттуда приехали трое молодых коллег.  Сначала организаторы молодежного форума дали нам много практических советов: как планировать проект, как подготовить презентацию, где можно получить финансирование для молодежных проектов. Затем в процессе напряженной работы в условиях 30- градусной жары мы разработали пару идей для Ростова и Дортмунда: фестиваль граффити, обмен специалистами по работе с молодежью и кулинарный чемпионат мира, который пройдет в преддверии ЧМ2018, и это лишь некоторые из наших идей.

Особенно торжественным было открытие основной части конференции. Краснодар приветствовал нас казачьими песнями и танцами – это просто незабываемое зрелище! Главными гостями открытия были министры иностранных дел Сергей Лавров и Зигмар Габриэль. Конечно, их присутствие придало конференции особую «протокольную» важность. Однако большую практическую пользу принесли не политические заявления высоких гостей, а разговоры на полях конференции. Кто-то встречал старых друзей, кто-то находил новых партнеров. Мы, молодые участники, получили возможность представить наши проекты представителем администрации города Ростова и Дортмунда и заручиться их поддержкой. Конечно, не все новые знакомства удается поддерживать после конференций, часть контактов отсеивается – это естественный процесс. Но я уверенна, что с моими молодыми коллегами из Ростова мы впредь будем активно сотрудничать. Администрация г. Ростова и Международный молодежный клуб при Южном федеральном университете очень много делает для молодежи. И у многих молодых людей большой интерес к контактам с зарубежными сверстниками. Нам предстоит работать над тем, чтобы и у дортмундской молодежи появился интерес к России.

На торжественном открытии конференции
Слева направо: Владимир Лемнев, Михаэль Фритц, Максим Попов, Мария Хаванова, Андрей Косенко
Gernot Erler MdB, Staatsminister a.D, SPD-Bundestagsfraktion http://www.gernot-erler.de

Zur Person: Gernot Erler studierte Slawische Sprachen, Geschichte und Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin und an der Universität Freiburg. Seit 1987 ist Erler Mitglied des Deutschen Bundestages, seit 2014 ist er ein Koordinator für zwischengesellschaftliche Zusammenarbeit mit Russland, Zentralasien und den Ländern der Östlichen Partnerschaft (kurz: Russland-Beauftragter).

Im Rahmen der Veranstaltung „Was ist Europa?“ hielt Herr Erler an der Ruhr- Universität Bochum einen Vortrag zum Thema „Russland und der Westen“ und berichtete aus osteuropäischer Sicht. Er gliederte seinen Vortrag in vier Hauptthemen:

1.Die Vorgeschichte zur Entfremdung

  1. Der Ukrainekonflikt

3.Der Schutz und die Sicherheit

  1. Der Weg zu einer neuen Weltordnung

1.Vorgeschichte einer Entfremdung

Die Entfremdung zwischen Russland und dem Westen, die wir heute beobachten, kam nicht mit dem Konflikt um die Ukraine. Sie wurde durch die unterschiedlichen Bewertungen und Wahrnehmungen zu selben Ereignissen in den letzten 25 Jahren ausgelöst. Nicht nur konkrete Geschehnisse, sondern auch russische Staatschefs von beiden Seiten unterschiedlich bewertet.

Gorbatschow ist in Deutschland einer der beliebtesten russischen Politiker, weil er zur Entspannung in den Beziehungen zwischen Ost und West und zur Wiedervereinigung Deutschlands beigetragen hat. Ohne ihn hätte es den Vertrag „2+4“ nicht gegeben. Von manchen Russen wird er als der „Totengräber der Sowjetunion“ gesehen.

Jeltzin wurde im Westen trotz einiger seinen Schwächen als ein Demokrat begrüßt, der Marktwirtschaft in Russland eingeführt hat. In Russland ist seine Amtszeit als ein chaotisches Jahrzehnt in Erinnerung geblieben. Dazu kam noch der Rubelzusammenbruch 1998, die die finanzielle Lage vieler Russen wesentlich verschlimmert hat.

Auch der heutige Präsident Putin wird in Russland und im Westen unterschiedlich gesehen. Der Westen sieht in ihm einen autoritären Politiker, der Russland in eine Diktatur umwandelt. Die meisten Russen verbinden mit Putin Stabilität, Rechtsordnung (oder wie Putin einmal gesagt hat „Rechtdiktatur“) und Stärkung der Zentralgewalt.

Wie hat Westen sich selbst in  den letzten Jahrzehnten gesehen? Der Westen habe sich in seiner eigenen Selbstwahrnehmung in den letzten 25 Jahren konstruktiv verhalten. Strategische Partnerschaften zwischen Russland und der EU wurden unterschrieben. Sie umfassen die so genannten vier „common spaces“: Wirtschaft; Freiheit, Sicherheit und Justiz; äußere Sicherheit; Forschung und Bildung sowie kulturelle Aspekte. Eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit und gegenseitige Abhängigkeit hat sich entwickelt. Unter Medvedev wurde sogar die Zusammenarbeit in Administration und Zivilgesellschaft anvisiert. Die Vertreter der westlichen Sichtweise können sagen „Wir haben Partnerschaft gesucht“. Aus der russischen Sicht sehen diese Entwicklungen ganz anders aus. Der Westen habe  die Schwäche Russlands ausgenutzt, um eigene Regeln aufzuzwingen. Die Position der USA nämlich, dass die USA Russland nicht als die Weltmacht akzeptieren, hat Russland besonders irritiert. Die Osterweiterung der NATO und die Farbrevolutionen (die aus russischer Sicht mit amerikanischer Hilfe organisiert wurden) haben dazu geführt, dass Russland alle Vorhaben des Westens als Bedrohung der eigenen Sicherheit und Souveränität sah.

Erst 2007 auf der Sicherheitskonferenz in München, als Putin mit einer sehr emotionalen Rede aufgetreten ist, wurde es auch dem Westen klar, dass Russland die Osterweiterung der NATO als Bedrohung sieht. Zwar wurde für die Zusammenarbeit mit Russland der Russland-NATO Rat gegründet und bereits 1997 Pakte für die Zusammenarbeit unterschrieben. Diese Maßnahmen haben aber nicht dazu gebracht, dass Russland die NATO-Osterweiterung akzeptiert hat.

Aus der Sicht von Gernot Erler, liegt der Fehler des Westens darin, dass wir zu spät verstanden haben, dass wir unterschiedliche Narrative haben. Der Höhepunkt der verschiedene Narrative ist der Ukraine-Konflikt.

Russische Deutung der Assoziierungsabkommen mit der Ukraine ist folgende: das Assoziierungsabkommen bedeutet für Russland den Verlust der Kontrolle über die Ukraine, die Russland als „Brudervolk“ sieht. Aus russischer Sicht, hat der Westen damit die rote Linie überschritten.

Dann hat Russland selbst die rote Linie überschritten indem es die Krim annektiert hat und die Separatisten in Donbass unterstützt. Damit hat Russland eindeutig gegen das internationale Recht verstoßen. Der Verstoß gegen das internationale Recht hat den Konflikt mit dem Westen ausgelöst. Die Entfremdung führte zur Gefährdung der europäischen Friedensordnung.

Erler sieht das Fehlverhalten der USA darin, dass die USA sich selbst als die einzige Weltmacht gesehen haben und Russland als einen gleichberechtigten Partner nicht akzeptiert haben. Die Rede von Putin (das war ein Warnsignal) wurde nicht aufgearbeitet. Der Vorschlag von Medvedev für gemeinsame europäische Sicherheitsarchitektur, den er seit dem Frühjahr 2008 gemacht hat, wurde nicht aufgenommen.

  1. Der Ukrainekonflikt

Die Situation um die  Ukraine stellt eine ernste Herausforderung für die europäische Friedensordnung dar.  Nach den Lösungen wird aktuell im Rahmen des Normandie-Formates gesucht. Deutschland als das Land, das enge Beziehung zu Russland hat, übernahm (auch zusammen mit Frankreich) die Vermittlerrolle in diesem Konflikt. Die USA zogen sich dabei zurück. Das Normandie Format besagt, dass keine militärische Gewalt angewendet wird und nur die politische Lösung des Konfliktes möglich ist. Erler betonte, dass es sehr wichtig für die europäische Friedensordnung ist, dass sich die Europäer auf die nicht-militärische Lösung geeignet haben. Diese Einigung war für die Europäer sehr wichtig.

Am 15.02.2015 begann das Friedensprogramm, der Minsker Prozess. Lieder ist Minsk 1 gescheitert. Jetzt versucht man, Minsk 2 mit einem konkreten Plan (road map) durchzusetzen.

Die OSZE spielt dabei eine wichtige Rolle, weil sie die einzige Organisation ist, die den Kontakt zwischen den Konfliktparteien ermöglicht.  Die OSZE zwei Aufgabenbereiche zu erfüllen. Sie schicken Beobachter in die Ostukraine, um wichtige Informationen zur Lage zu bekommen.  Sie organisieren trilaterale Kontaktgruppen, wo sich jeweils die Vertreter der Ukraine, Russlands und der Separatisten treffen.

Wie ist die Lage im Moment? Nach der Einschätzung von Gernot Erler, ist der heutige Stand eine große Katastrophe, da kein einziger Punkt des Friedensbeschlusses umgesetzt wurde. Es fallen immer noch Schüsse und es gibt zahlreiche Tote und Verletze. Im Moment streiten die Konfliktparteien  über die Sequenzierung (soll zuerst der Waffenstillstand gewährleistet werden oder soll das Donbass-Gebiet zuerst einen Sonderstatus bekommen und Wahlen organisiert werden).  Die Ukrainer kamen zu dem Beschluss, dass sich ohne Waffenstillstand weitere Schritte nicht möglich sind.

Am 19.10.2016 hat man einen neuen Friedensansatz, die sogenannte Entflechtungsstrategie vorgeschlagen. Dabei sollten einzelne Zonen die Waffen still legen und andere Zonen sollten sich ihnen anschließen.  Dieser Friedensansatz wurde bisher auch nicht umgesetzt.

Wie ist im Moment die deutsche Position? Deutschland wird die Krim nicht als den Teil Russlands nicht anerkennen. Allerdings ist die Krim heute nicht auf der Agenda. Die Priorität in den Verhandlungen gehört der Ostukraine. Die Frage der Sanktionen ist von der erfolgreichen Umsetzung des Minsker-Abkommens abhängig. Erler unterstrich, dass die Sanktionen ein Teil der nicht-militärischen Lösung sind. Sie wurden nicht dafür verhängt, um Schaden für Russland zu verursachen. Neben den Verhandlungen sind die Sanktionen wohl das einzige Instrument, das die EU im Friedensprozess anwenden kann.

Erker ist fest davon überzeugt, dass man den Dialog mit Russland nicht abbrechen darf und findet es falsch, dass der Russland-NATO-Rat wegen des Konfliktes abgeschafft wurde und Russland aus G8 ausgeschieden wurde. Gerade in den Krisenzeiten braucht man die Möglichkeiten für den Dialog.

3.Der Schutz und die Sicherheit  in Europa

Es liegt eine ungelöste Situation vor. Die schnelle Annektierung der Krim und das Vorgehen Russlands in der Ostukraine hat bei den Balten ein altes historisches Traumanta ausgelöst. Russland hat zwar kein Vorhaben, sich in die Angelegenheiten der baltischen Staaten einzumischen, doch die Angst ist da.

NATO hat darauf reagiert.  Die fünf NATO Staaten schickten 1000 Soldaten in die baltischen Länder, um die Rückversicherung (reinsurance) zu gewährleisten. Auch wenn Russland darauf empfindlich reagiert, sind diese Maßnahmen in den internationalen Verträgen verankert und damit legal. Deutschland betont immer, dass es mit seinen Handlungen im Rahmen des internationalen Rechts bleiben wird, auch wenn Russland gegen das internationale Recht verstoßen hat.

Die Militärübungen der NATO bleiben natürlich nicht ohne  Gegenmaßnahmen seitens Russlands. Russland hat neben Kaliningrad neue Schiff- und Flugzeugabwehrsysteme („Bastion“) positioniert. Beide Seiten organisierten immer größere Manöver, die zu Eskalationen führen können. Außerdem gefährden diese Manöver den Zivilluftraum, weil Flugzeuge beider Seiten ohne Transponder  starten, damit sie nicht erkannt werden.

Auch die aktuelle Situation in den USA beeinflusst die Friedensordnung in Europa. Trump stellte die Sicherheitsgarantie infrage, indem er die NATO als obsolet bezeichnete. Die Sicherheit der NATO-Mitglieder würde nach Tramp  von deren Investitionen abhängig sein. Die Baltische Länder, Polen und Rumänien sind ist das ein Ernstfall, weil sie nur darum in der NATO sind, um den Schutz von den USA zu erhalten.

4.Der Weg zu einer neuen Weltordnung

Nicht nur Russland hat Ansprüche auf die Rolle einer Weltmacht, sondern auch China. Die USA richten ihre Aufmerksamkeit nach Asien und versucht das Gegengewicht zu China zu schaffen. Dabei haben die USA die Verantwortung in Europa den anderen übergeben und aus internationaler Sicht haben sie sich aus der Sache zurückgezogen.

Man darf die heutige Rollen Chinas in der Welt nicht unterschätzen. China entwickelt ein neues Infrastrukturprogramm „Neue Seidenstraße“. Die Chinesen wollen neue Verkehrswege für andere Länder umsonst bauen und damit wollen sie die neuen Märkte öffnen, da  China an Überproduktion leidet.

China entwickelt sich somit zu einer eigenen Ordnungsmacht mit eigenem Wertesystem. Russland unterstützt auch die Idee der multipolaren Weltordnung. Aber mit seinen Plänen die Eurasische Union aufzubauen stößt Russland gegen Interessen Chinas.  Man kann also nicht sagen, dass China und Russland Verbündete sind.

Die Eurasische Union ist ein sehr ambitioniertes Projekt, das Europa nicht unterschätzen darf. Damit will Puten eine Freihandelszone etablieren, den geopolitischen Einfluss gewinnen und somit einen Gegengewicht zur EU schaffen.

Mit Hinblick auf alle diese Entwicklungen kann man sagen, dass wir auf dem Weg zu einer multipolaren Weltordnung sind. Dabei stellen sich zwei Fragen:

?

Wie wir schon geschrieben haben, war die Konferenz „Deutschland und Russland: Wege zur Sicherheit und Frieden in Europa“ ein bedeutendes Ereignis für die deutsch-russischen Beziehungen. Deutsch-Russische Akademie hat im Nachhinein ein Interview mit Franz Thönnes, einem der Diskussionsteilnehmern. durchgeführt.

Wie ist Ihr Eindruck von der Konferenz? Ist der Dialog zwischen den Teilnehmern ihrer Meinung nach gelungen? Können solche Konferenzen etwas in den deutsch-russischen Beziehungen bewegen?

Dialog hat eher am Rande der Tagung, und nur eingeschränkt auf dem Podium stattgefunden. Man hat mit einander geredet, aber es war kein Dialog unter den Teilnehmern der Podiumsdiskussion. Es wäre gut, wenn Redner Bezug auf einander genommen hätten. Ob solche Konferenzen etwas bewegen können? Ja, es ist wichtig unterschiedliche Sichtweisen wahrzunehmen, um mit einander zu sprechen. Dann kann man Übereinstimmungen finden. Und vielleicht können daraus dann gemeinsame Projekte entstehen.

Noch vor der politischen Krise zwischen Russland und Europa wurde viel über  die Modernisierungspartnerschaft gesprochen. Sehen Sie eine Möglichkeit für den Neuanfang der Modernisierungspartnerschaft mit Russland? Welche Rolle kann Deutschland dabei spielen?

Hier muss man sich zuerst fragen, was beinhaltet die Modernisierungspartnerschaft? Das sind Rechtzusammenarbeit, Energieeffizienz, Zusammenarbeit im Bereich Gesundheitswesen, Weiterbildung, Zivilgesellschaft.

Russland braucht dringende wirtschaftliche Modernisierung. Ende 2013 hat der russische Präsident Wladimir Putin die Reformdefizite in der russischen Wirtschaft angesprochen. Neulich hat German Gref, Präsident von Sberbank, auf dem Petersburger Dialog die Abhängigkeit der russischen Wirtschaft von Erdöl und Erdgas betont. Mangelnde Investitionen, fehlende Innovationen und ausstehende Reformen in der Verwaltung erschweren diese Abhängigkeit. Deutschland ist bereit für die Zusammenarbeit in der Modernisierungspartnerschaft. Das wurde nochmal auf einer bilateralen Unternehmensplattform und dem Forum Zivilgesellschaft in Berlin bestätigt. Zum Beispiel könnten die Bereiche der Aus- und Weiterbildung sowie die Transformation sowie Modernisierung der Wirtschaft in Monostädten interessante wichtige Zukunftsfelder sein. Die Frage ist, ob unsere russischen Partner das Gleiche wollen.

Was halten Sie als Politiker von der „Diplomatie von unten“ und von dem bürgerschaftlichen Engagement in der deutsch-russischen Partnerschaft?

Diplomatie von unten ist eine tragende Säule unserer Beziehung. Zivilgesellschaft ist unverzichtbar. Es gibt viele Dialogformen, die zwischen Deutschland und Russland existieren: Petersburger Dialog, Deutsch-Russisches Forum, Jugendaustausch, viele Städte-, Schul- und Hochschulpartnerschaften sowie die Kontakte der Nichtregierungsorganisationen. Es gilt jedoch die Gewähr zu haben, dass die zivilgesellschaftlichen Organisationen auf russischer Seite nicht Gefahr laufen, bei der Zusammenarbeit unter das sogenannte „ausländische Agentengesetz“ zu fallen.

2012 haben Sie in Ihrer Rede über die Modernisierung Russlands für Partnerschaften zwischen Kommunalpolitikern, für ein deutsch-russisches Jugendwerk plädiert und auch für eine Visaliberalisierung. Wie sehen Sie diese Initiativen in heutiger politischer Situation?

Zusammenarbeit auf lokaler Ebene kann nützlich und effektiv für den Dialog zwischen Deutschland und Russland sein, weil die Kommunalpolitiker durch gemeinsame Handlungsfelder und durch vergleichbare Herausforderungen auch Kooperationsmöglichkeiten finden können.

Was die Visaliberalisierung betrifft, so wurden solche Ideen vor der Krise bereits intensiv diskutiert. Jetzt sind diese Pläne aber wegen der völkerrechtlichen Annexion der Krim auf Eis gelegt. Trotzdem muss man die Idee der Visaliberalisierung nicht aus dem Auge verlieren. Visaliberalisierung bedeutet Menschen zusammenzubringen und den Meinungsaustausch zu erleichtern, deswegen kann das die deutsch-russischen Beziehungen voranbringen. Aber Russland darf nicht vergessen, dass Deutschland Mitglied des Schengenabkommens ist. Wir können  solche Entscheidungen nur zusammen mit den anderen Mitgliedstaaten der Schengenzone treffen. Ich plädiere dafür, dass erleichterte Visaregelungen in einem ersten Schritt vielleicht für junge Menschen vereinfacht werden sollten. Das würde natürlich gerade den Schülern, Jugendlichen und Studenten zugutekommen. Hierdurch würde auch die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch gestärkt.

Was kann auf der Ebene der einfachen Bürger getan werden, damit sich die gesellschaftliche Kooperation zwischen Deutschland und Russland weiter entwickelt?

Die Rahmenbedingungen für den Dialog sind heute leider etwa ungünstig. Zuerst müssen wir auf aggressive Rhetorik verzichten, die besonders häufig in den Zeitungen und Medien vorkommt – das alles verhärtet die Bereitschaft sich zusammenzufinden.

Darüber hinaus empfehle ich, wenn man auf Reisen im jeweils anderen Land ist, nicht nur touristische Zentren und Attraktionen zu besuchen, sondern auch zu versuchen  mit der Bevölkerung des Landes zu sprechen.

Hier kommen wir wieder zum Thema Jugendaustausch. Russland ist ein wichtiger Partner für die Schulen. Beim Erlernen der Sprache und Kultur des Partners, durch gegenseitige Besuche entwickelt man Interesse zu einem anderen Land.

Russen und Deutsche wohnen auf demselben Kontinent. Unser Zusammenleben und eine friedliche Zukunft in gemeinsamer Sicherheit sind nur miteinander und nicht gegeneinander möglich.

(c) Susi Knoll und Florian Jaenicke

Franz Thönnes, MdB, stellvertretender Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, Parlamentarischer Staatssekretär a.D., SPD-Bundestagsfraktion

Ein kurzes aber sehr lesenswertes Interview mit Gerhard Schröder, das auf russlandkontrovers.de erschienen ist.

Europa ist stabil, weil es auf den beiden Säulen NATO und EU beruht. Das eint unseren Kontinent und macht ihn sicherer als jemals zuvor. Doch Russland rebelliert. Warum verstehen die Russen nicht, dass NATO und EU für sie keine Gefahr sind?

Ob Europa aktuell so stabil und geeint ist, wie Sie meinen, das ist ja fraglich. Zumindest in der Flüchtlingspolitik gehen die Positionen weit auseinander. Die Europäische Union steht vor großen Herausforderungen. Wir haben den Konflikt in der Ukraine, die Situation im Nahen und Mittleren Osten und die sich daraus ergebenden Flüchtlingsströme. Und auch die Euro-Krise ist bei weitem nicht überwunden. Also ist Europa gut beraten, nicht auch noch die Kontroverse mit Russland weiter anzuheizen. Daher müssen wir die Sicherheitsinteressen Russlands ernst nehmen, zumindest ernster als sie bisher genommen wurden. Das gilt auch für eine mögliche NATO-Mitgliedschaft der Ukraine, die ich für falsch halte.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat gesagt, sollte der Ukraine-Konflikt einmal gelöst werden, würde sich Deutschland für den Aufbau eines gemeinsamen Raumes mit Russland stark machen. Hätte dieses Ziel nicht vielleicht schon in ihrer Amtszeit verwirklicht werden können?

Wir haben im Jahr 2003 vereinbart, vier gemeinsame Räume zu schaffen, um das zwischen Russland und der EU geschlossene Partnerschafts- und Kooperationsabkommen mit Leben zu füllen: einen Wirtschaftsraum, einen Raum der inneren Sicherheit, einen Raum der äußeren Sicherheit und einen Raum der Forschung, Bildung und Kultur. Und da gab es durchaus Erfolge, etwa die zahlreichen Kooperationen zwischen Hochschulen oder die wachsende Zahl von Städtepartnerschaften. Im zivilgesellschaftlichen Bereich haben wir den Petersburger Dialog geründet, der hoffentlich seine frühere Bedeutung wieder erlangen wird. Auch der Beitritt Russlands zur WTO und die Aufnahme in die G7 waren Meilensteine. Der wirtschaftliche Austausch ist stetig angewachsen. Das waren Erfolge einer auf Partnerschaft angelegten Russlandpolitik. Aber heute stehen wir vor anderen Herausforderungen. Wir brauchen eine stabile Friedens- und Sicherheitsarchitektur in Europa. Das gibt es nach meiner Auffassung nur in einer Sicherheitspartnerschaft mit Russland. Diese kann nur auf der Anerkennung der jeweiligen Interessen und dem Ausgleich dieser Interessen basieren.

Was wären für Sie die rationalen Schritte, um nach der Ukraine-Krise den Dialog mit Moskau über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa voranzutreiben?

Das setzt auf beiden Seiten Änderungen in der Rhetorik, im Verhalten und in der Politik voraus. Mein Eindruck ist, dass diese Einsicht in der deutschen, der europäischen und der russischen Politik wächst. Es ist gut, dass die USA und Russland wieder miteinander reden. Das Gespräch zwischen dem amerikanischen und dem russischen Präsidenten in New York hat gezeigt, dass es eine Reihe von gemeinsamen Interessen gibt. Wir brauchen Dialog und Kooperation statt Sanktionen und Drohungen.

Original: http://russlandkontrovers.de/potsdamer-begegnungen-2015-basteln-am-gemeinsamen-europaeischen-haus/

Диалог и сотрудничество вместо санкций и угроз

Интервью с Герхардом Шрёдером на www.russlandkontrovers.de

RK: Европа стабильна, поскольку она основана на двух столпах НАТО и ЕС. Это объединяет наш континент и делает его надежнее, чем когда-либо. Но Россия бунтует. Почему русские не понимают, что НАТО и ЕС для них не опасность?

Шрёдер: То, что Европа в настоящее время стабильна и едина, как Вы считаете, это спорный момент. По крайней мере, в политике по делам беженцев позиции далеко расходятся. Европейский союз сталкивается с серьезными проблемами. У нас существует конфликт в Украине, ситуация на Ближнем и Среднем Востоке и в результате этого – потоки беженцев. Кроме того, кризис евро далеко не преодолен. Таким образом, Европе не следует в дальнейшем обострять споры с Россией. Поэтому мы должны воспринимать всерьез интересы безопасности России, по крайней мере, серьезнее, чем воспринимали раньше. Это также относится и к возможному членству в НАТО Украины, которое я считаю ошибочным.

RK: Федеральный канцлер Ангела Меркель говорила, если конфликт в Украине однажды будет решен, Германия будет твердо выступать за построение общего пространства с Россией. Может ли эта цель осуществиться уже во время ее пребывания в должности?

Шрёдер: В 2013 году мы договорились создать четыре общих пространства, чтобы наполнить жизнью заключенные между Россией и ЕС Соглашения о партнерстве и сотрудничестве: экономическое пространство, пространство внутренней и внешней безопасности и пространство в области науки, образования и культуры. Были зафиксированы значительные успехи, например, многочисленные сотрудничества между университетами или растущее количество городов-побратимов. В сфере гражданского общества мы основали «Петербургский диалог», который, надеюсь, вернет свое былое значение снова. Вступление России в ВТО и включение в G7 были также значительными событиями. Объем торговли неуклонно рос. Таковы были успехи политики по отношению к России, основанной на партнерстве. Но сегодня мы столкнулись с другими проблемами. Мы нуждаемся в стабильной архитектуре мира и безопасности в Европе. На мой взгляд, это возможно только в партнерстве с Россией в сфере безопасности. Данное партнерство может быть основано только на признании и учете соответствующих интересов.

RK: Какими были бы для Вас рациональные шаги для продвижения диалога с Москвой по безопасности и сотрудничеству в Европе после кризиса в Украине?

Шрёдер: Это предполагает изменения в риторике, поведении и политике с обеих сторон. У меня складывается впечатление, что осознание этого растет в немецкой, европейской и российской политиках. Это хорошо, что США и Россия снова говорят друг с другом. Разговор между американским и российским президентами в Нью-Йорке показал, что существует ряд общих интересов. Мы нуждаемся в диалоге и сотрудничестве вместо санкций и угроз.

Am 28. September hatte ich eine gute Möglichkeit im Namen unseres Projektes Konferen „Russland und Deutschland: Wege zu Sicherheit und Frieden in Europa“. Hier ist ein Interview mit einem angesehenen Experten Prof.Dr.Peter Schulze.

Deutsch-Russische Akademie: Wie ist Ihr Eindruck von der heutigen Konferenz? Ist der Dialog zwischen den Teilnehmern ihrer Meinung nach gelungen? Können solche Konferenzen etwas in den deutsch-russischen Beziehungen bewegen?

Peter Schulze: Das Thema ist gut gestellt. Wir müssen raus aus diesen schrecklichen Situationen, in denen wir uns befinden, praktisch nah von Sprachlosigkeit, Abbruch vom Dialog. Wenn das passiert, dann gibt es immer riesengroße Schwierigkeiten des Neuanfangs und der Lösungsfindung. Insofern ist diese Konferenz ein zusätzlicher guter Stein, diesen Dialog wieder aufzunehmen und den offen zu führen, so dass über eine offene, nicht gelogene, nicht ideologische Orientierung Ansatzpunkte des beidseitigen Verständnisses gefunden werden. Und ich glaube, das ist auf der Konferenz gelungen.

DRA: Das Thema der Sanktionspolitik wurde mehrmals auf der Konferenz angesprochen. Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit der Weg von der Sanktionspolitik zum Dialog begangen werden kann?

Peter Schulze: Es gibt bisher keine Erleichterung in der Sanktionspolitik. Die Sanktionspolitik wird auf jeden Fall bis Ende des Jahres laufen. Wenn bis dahin nicht auf der oberen Regierungsebene und im Normandie- Prozess (Minsk 2) eine nachvollziehbare Umsetzung der Bestimmung sichtbar geworden ist, dann werden die Sanktionen auf 2016 weiter laufen. Das einzige wovon wir ausgehen können, dass aufgrund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten in einigen europäische Länder inklusive Ungarn und die mediterranen EU-Mitgliedstaaten diese Sanktionen gesellschaftlich und politisch nicht ankommen werden und es keine Verschärfung geben wird. Aber eine Aufkündigung ist nicht in Sicht. Wir befinden uns in einer sehr unübersichtlichen Lage. Das ist nicht nur eine europäische Sanktionspolitik ist, im Hintergrund stehen die Amerikaner mit noch schärferen Sanktionen. Solange USA sich nicht bewegt und die wird sich möglicherweise nicht bewegen bis zum November nächstes Jahres, wenn dort Präsidentschaftswahlen sind. Wenn wir einer republikanischen Präsidenten bekommen, a la Tramp oder noch rechter und noch polemischer, dann ist es auch nicht sicher, dass es zu einer Lockerung der Sanktionen kommen wird. Nur dann könnte es passieren, dass es ab November oder ab 2017 in der Europäischen Union noch mehr Widerstand gegen die Sanktionen geben wird. Das ist eine vorsichtige Einschätzung, ob es so kommt, kann ich nicht sagen, aber aller Wahrscheinlichkeit nach, wird der Ablauf so sein. Andererseits muss man sagen, weder Obama, noch die deutsche Bundesregierung, noch einige Mitgliedstaaten des alten Europas haben ein Interesse daran eine harte Sanktionspolitik unendlich fortzusetzen, weil das uns ökonomisch selbst schadet. Vielleicht haben wir bis zu amerikanischen Wahlen eine Chance, Sanktionen bisschen zu lockern. Aber das würde bedeuten Konfrontation mit den USA. Und keiner will das.

DRA: Was halten Sie von der These Egon Bahrs, dass Deutschland und Russland eine „Verantwortungsgemeinschaft“ für die Sicherheit Europas und die Lösung internationaler Brennpunkte bilden muss?
Peter Schulze: Diese These ist richtig, weil sie so einfach ist. Aber sie ist nicht umsetzbar. Egon Bahr hat völlig Recht. Aber deutsche Politik ist nicht die bestimmende Politik im Ostgeschäft. Das war sie vielleicht bis 2008. Nach dem Eintritt der zentral- und mitteleuropäischen Staaten in die Europäische Union und vorher schon in die NATO ist es zu einer Auseinandersetzung zwischen der deutschen Ostpolitik und völlig anderer Sichtweise, einer Konfrontationspolitik, die von Polen, baltischen Staaten aber auch von Schweden und Englandvorgeschlagen wurde, gekommen. Wer dominiert europäische Ostpolitik? Deutschland hat seine dominante Stellung in dieser Frage verloren und kann jetzt nur dagegen halten, dass es zu keinen extremen politischen Exzessen kommt.
DRA: Trotz aller politischen Krisen gibt es ein festes Fundament für Kontakte zwischen Russen und Deutschen. Was halten Sie von der „Diplomatie von unten“ und von dem bürgerschaftlichem Engagement in der deutsch-russischen Partnerschaft?

Peter Schulze: Die Diplomatie von unten gibt es durch die Städtepartnerschaften, regionale Partnerschaften oder universitären Austauschprogramme. Deutsch politische Stiftungen und Gewerkschaften arbeiten in diese Richtung. Das ist ein solides Fundament. Nur gibt es darüber hinaus mentale Strömung, atmosphärische Vergiftung, die zu einer gewissen Zurückhaltung und Ängstlichkeit in der Volksdiplomatie führen. Das darf man nicht außer Acht lassen. Nur hört die große Politik in Berlin viel mehr an Paris, Warschau und besonders Washington als an eigene Bürger. Man kann nur darauf hoffen und immer wieder ermuntern, dass immer mehr Druck von unten kommt und über politische Parteien, Gewerkschaften, soziale Bewegungen in die Politik hinein gepresst wird. Auf die Medien können wir uns nicht mehr verlassen.

Interview hat Maria Khavanova durchgeführt.

Ein Europa ohne Russland  – das wäre eine Tragödie

Dieser Mann ist ein Urgestein. Eines, für das man sich Zeit nimmt. Und das mit Freude. Vor allem deswegen, weil man etwas geschenkt bekommt, das es heute kaum noch gibt: Es ist die gefundene Trophäe eines journalistischen Wühlers in Gestalt einer Persönlichkeit, die „was“ zu sagen hat.

Werner Nass ist ein Mann, der in Dortmund Geschichte gemacht hat. Er ist derjenige, der 1989 Gorbatschow nach Dortmund holte. Dass dieser tatsächlich kommen würde, daran glaubte zunächst niemand. Aber als dann der Gorbatschow-Zug Fahrt aufnahm, hatte der Erfolg wie immer, hinterher viele Väter.

Der einzig wirkliche Vater ist jedoch Werner Nass.

Stolz nennt er sein Motto: Diplomatie von unten. „Ich habe immer als Betriebsrat agiert, und genau der Einladung der Arbeiter – dem ist Gorbatschow auch gefolgt.“

Anfang der 80er Jahre, erzählt Nass, war die Welt politischer. „Überall wehte der Hauch von Politik“. Da hätten sie den Politikern gezeigt und gesagt, wo es langgeht. Da waren die Belegschaften genauso auf der Straße wie die Studenten und Bürger. Es ging um viel zu Zeiten des Eisernen Vorhangs.

Immer wieder Thema war der Frieden und mit ihm die Abrüstung, die 1982 in den Nato-Doppelbeschluss mündete. „Da wurden bei uns Raketen stationiert, die dem Friedenswillen entgegenstanden“. Natürlich war er bei der Großdemonstration in Bonn 1983 mit 400.000 Menschen auch dabei. Nass hat sich den Blick über den Tellerrand immer bewahrt. So war er 1983 auch zum ersten Mal in der damaligen Sowjetunion. Man muss sich vorstellen, das war der damalige Feind. Gegen ihn richteten sich all die stationierten Pershing II und Cruise Missiles-Raketen. Die NATO stationierte Waffen gegen den Vorgarten der UdSSR. „Das war nicht richtig, dagegen haben wir damals vehement protestiert.“ Wie viele Kilometer er bei Demonstration gegen die Aufrüstung und für die Entspannungspolitik gelaufen ist, das weiß er nicht mehr.

Es kam dann noch eines hinzu: Er wollte den Blick hinter den Eisernen Vorhang wagen. Getreu dem Motto „100-mal lesen ist gut, 1-mal sehen ist besser“ machte sich Nass 1983 zum ersten Mal auf den Weg. Er wollte sehen und erleben, was sich tatsächlich in der UdSSR abspielte.

Bis heute reist er jedes Jahr nach Russland. Seit über 30 Jahren. „Wir waren und sind immer noch Freunde“. Die Freundschaft hat alles überdauert: UdSSR, Glasnost und Perestrojka und Putin. Diese Freundschaft kann nichts aus der Bahn werfen. Die bleibt.

1987 war er dann zum ersten Mal in einen Stahlkombinat, im zweitgrößten Stahlkonzern in Russland. Jedes Jahr geht die Reise wieder dorthin. Der Gegenbesuch ist immer im Dezember. Der Grund für diesen Zeitpunkt ist einfach und naheliegend: „Die mögen unseren Weihnachtsmarkt so sehr“, erzählt Nass mit einem Lächeln im Gesicht.

Dass es der Betriebsratsvorsitzende war, der es schafft den 1. Mann der Weltmacht Sowjetunion in seinen Betrieb zu holen und nicht die Konzernleitung, ist nicht nur seinem starken und eisernen Willen, sondern auch seiner unermüdlichen Hartnäckigkeit und guten Kontakten zu verdanken. Kurz: Nass war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. 1988 war Helmut Kohl zum Staatsbesuch in Moskau, Nass bekam mit, dass ein Gegenbesuch geplant sei. „Da hatten wir bereits bessere Kontakte, wir waren doch längst im engeren Kreis“. Er nutzte seinen vorhandenen Draht zum Stellvertreter Gorbatschows.

Das sei schon ein bisschen frech gewesen, meint er wieder grinsend, aber schließlich gehöre das zur Diplomatie von unten.

Er selbst ist groß geworden mit der Entspannungspolitik Willy Brandts. „Der Kniefall in Warschau von ihm hat mir schon sehr imponiert“. Man verfolgte die Annäherung in kleinen Schritten, „gegen den erbitterten Widerstand der Konservativen in Deutschland“.

Jetzt sind die Gespräche in Russland schon ein wenig schwieriger geworden. „Ich habe niemanden getroffen, der nicht hinter Putin steht“. Man müsse sich in die russische Seele versetzen. Dieses Volk habe unendlich gelitten. 27 Millionen Menschen ermordet, trotzdem habe er nie Hass gespürt. Natürlich sind sie sehr stolz darauf, dass sie es waren, die die Nazis besiegt haben. Es gibt kein Dorf, in dem die Nazis nicht ihre Blutspuren hinterlassen haben.

Werner Nass folgt einem Weg. Und das ist der des miteinander Sprechens. „Wir dürfen dem russischen Volk nicht das Gesicht nehmen. Die Sanktionen haben nur den Erfolg, dass sie alle enger gegen uns zusammenrücken und zu Putin stehen.“

Für Werner Nass gibt es viele Gemeinsamkeiten zwischen Russen und Deutschen. „In den letzten 200 Jahren gab es mehr gute als schlechte Begegnungen zwischen uns“. Es gäbe ein Ur-Verständnis zwischen den beiden Kulturen, „irgendwie ticken wir gleich oder sehr ähnlich“.

Wie er das Verhältnis in 5 oder 10 Jahren sieht? Tja, Hellseher sei er nicht. Aber hoffen würde er, dass Russland dann in die Wertegemeinschaft Europas eingebunden ist. „Ein Europa ohne Russland – das wäre eine Tragödie“.

Das Interview führte Martina Plum.

Werner Nass

1940            geboren

1954             Ausbildung zum Schmelzschweißer | erst bei Ferrostahl, dann bei Hoesch Westfalenhütte

1959 – 1975 Wechselschicht Breitband Walzwerk

1967           Vertrauensmann

1972            Vorsitzender der Vertrauenskörperleitung

1975            Betriebsrat

1979            Geschäftsführung des Betriebsrates

1987            Betriebsratsvorsitzender, Nachfolger seines Mentors Kurt Schrade

1989            Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates

1996            Vorsitzender des europäischen Betriebsrates

2001            seit 30. Juni im Ruhestand

Als Aufsichtsratsmitglied hat er alle Höhen und Tiefen der Stahlkrise erlebt.

Werner Nass und Michail Gorbatschow (1989). Foto: Franz Luthe

Ein Artikel von Julia Smirnova zum Besuch von Außenminister Steinmeier in Wolgograd anlässlich des 70. Jahrestages des Kriegsendes, erschienen auf welt.de:

Russen und Deutsche verbindet gemeinsames „nie wieder“

Wir bieten eine Vielfalt an Sprachkursen an:

– regelmäßigen Kurse am Wochenende, vormittags und abends.

– Intensivkurse in den Ferien und am Wochenende für Bildungsurlauber, Schüler, ältere Mitbürger und Sprachinteressenten

– allgemeinbildende Sprachkurse und Prüfungsvorbereitungskurse (Cambridge English Exams und der TELC GmbH)

Der Gemeinsame Europäischer Referenzrahmen für Sprachen (GER) teilt Kenntnisse von Lernern in sechs aufsteigende Niveaustufen ein: A1, A2, B1, B2, C1, und C2.

Eine kurze Beschreibung jeder Stufe finden Sie hier: Wikipedia – Gemeinsamer europäischer Referenzrahmen. Gerne können Sie in unserem Institut einen kostenfreien Einstufungstest in den Sprachen Deutsch, Englisch, Italienisch und Spanisch während unserer Öffnungszeiten ablegen. Bitte planen Sie ca. 30 Minuten dafür ein.

Wenn Sie unsicher sind in welchen Kurs Sie passen, können Sie gerne unentgeltlich zur Probe einen Kurs besuchen bevor Sie sich verbindlich anmelden. Für die Vereinbarung einer Probestunde, sprechen Sie uns bitte an.

Für eine Anmeldung können Sie eine Anmelde-Karte oder den Kurs-Finder auf unserer Homepage nutzen. Zur gegenseitigen Planungssicherheit, bitten wir um eine Anmeldung mindestens 2 Wochen bevor Kursbeginn.

Sobald die Mindestteilnehmerzahl von sieben Anmeldungen erreicht ist, bestätigen wir den Kurs per Email oder SMS. Dies erfolgt spätestens eine Woche vor Kursbeginn. Schülerkurse in den Ferien und Sprachprüfungen (Cambridge English Exams) werden gesondert per Post bestätigt. Wir bitten daher um die korrekte Angabe Ihrer aktuellen Kontaktdaten.

Die ermäßigten Kursgebühren lt. Sprachenprogramm stehen Schülern, Studierenden, Au Pairs, ALRG II Empfängern und Dortmund-Pass-Inhabern zur Verfügung. Bitte reichen Sie hierfür bei der Anmeldung Ihren entsprechenden Ermäßigungsnachweis mit ein.

Die Gebühren für Sprachkurse oder Cambridge English Prüfungen und sind bei Bestätigung oder Teilnahme zu entrichten. Prüfungsgebühren für DaF-Prüfungen sind bei der Anmeldung zu entrichten.

Die Zahlung kann per Überweisung, vor Ort in Bar oder per EC Karte erfolgen. Lastschrift-Einzugsermächtigungen können auf der Rückseite der Anmeldekarte oder im Kurs-Finder auf der Homepage erteilt werden. Unsere Bankverbindung finden Sie im Impressum.

Eine Normalgruppe besteht ab sieben Teilnehmern. Sollte die Teilnehmerzahl bei Kursbeginn geringer sein, kann eine Kleingruppe gebildet werden. In diesem Falle wird mit der Kursgruppe eine Verkürzung der Unterrichtsstundenzahl oder eine anteilige Erhöhung der Kursgebühren abgestimmt. Die entsprechenden Kleingruppenpreise finden Sie in unserem Kurs-Finder auf unserer Homepage.

Jeder Teilnehmer kann sich bis 10 Tage vor Kursbeginn kostenfrei abmelden. Für Teilnehmer der DaF-Intensivkurse (Deutsch als Fremdsprache) gelten die gesonderten Teilnahmebedingungen unter § 8 unser AGBs.

In der Regel findet in den Schulferien oder an Brückentagen kein Unterricht statt.

Alle Teilnehmer erhalten zum Ende des Semesters eine Teilnahmebescheinigung. Um ein externes Zertifikat in Deutsch, Englisch oder Spanisch zu erhalten, können Sie bei uns eine separate Sprachprüfung ablegen.

Wir führen die telc (Deutsch als Fremdsprache), Cambridge English und DELE (Spanisch) Prüfungen durch. Mehr Informationen zu unseren angebotenen Sprachprüfungen.

Ja! Unser Einzelunterricht ist nicht auf den Sprachen im Programm limitiert und wird i.d.R. mit Muttersprachlern durchgeführt. Kontaktieren Sie uns gerne für ein entsprechendes Angebot!

Wenn Sie noch Fragen haben, können Sie uns gerne kontaktieren unter 0231-838 00 0 oder info@auslandsgesellschaft.de

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